Kiefergelenksbeschwerden und CMD

Ursachen und Behandlung

Knacken im Kiefer, Schmerzen beim Kauen, verspannte Kaumuskeln oder Kopfschmerzen – Beschwerden im Bereich des Kausystems können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Häufig werden solche Beschwerden unter dem Begriff craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zusammengefasst. Dabei können die Kaumuskulatur, die Kiefergelenke, die Beweglichkeit des Unterkiefers oder das Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer betroffen sein. Die Beschwerden sind ebenso vielfältig: Manche Patienten bemerken Schmerzen vor dem Ohr oder im Bereich von Wangen und Schläfen, andere eine eingeschränkte Mundöffnung oder Beschwerden beim Kauen. Auch Knacken oder Reiben im Kiefergelenk kann auftreten. Dabei ist ein wichtiges Detail zu beachten: Nicht jedes Kiefergelenksgeräusch ist krankhaft. Knacken oder Reiben kann auch bei völlig beschwerdefreien Menschen vorkommen. Entscheidend ist daher immer das Zusammenspiel von Beschwerden und Befunden.

Zähnepressen und Zähneknirschen

Eine häufige Begleiterscheinung ist der sogenannte Bruxismus. Damit bezeichnet man wiederkehrende Aktivitäten der Kaumuskulatur, beispielsweise Zähneknirschen oder kräftiges Aufeinanderpressen der Zähne. Gerade tagsüber geschieht dies oft unbewusst – etwa bei Konzentration oder Anspannung. Dabei gilt: Zähnepressen oder Zähneknirschen ist nicht automatisch krankhaft. Entscheidend ist, ob dadurch eine relevante Belastung oder Beschwerden entstehen.

Eine sorgfältige Untersuchung ist der erste Schritt

Am Anfang jeder Behandlung steht deshalb eine gründliche Untersuchung des gesamten Kausystems. Wir prüfen unter anderem die Kaumuskulatur und die Kiefergelenke, die Beweglichkeit des Unterkiefers, mögliche Schmerzen bei bestimmten Bewegungen sowie das Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer. Je nach Beschwerdebild können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Dabei geht es nicht darum, jeden auffälligen Befund zu behandeln. Vielmehr möchten wir herausfinden, welche Befunde bei Ihnen tatsächlich mit den Beschwerden zusammenhängen.

Wie werden CMD-Beschwerden behandelt?

Da CMD sehr unterschiedliche Ursachen und Erscheinungsformen haben kann, gibt es keine Behandlung, die für jeden Patienten gleichermaßen geeignet ist. Häufig beginnt die Therapie mit einfachen und schonenden Maßnahmen. Dazu können gezielte Übungen, Physiotherapie oder manuelle Therapie gehören. Dabei geht es nicht nur darum, Verspannungen zu lösen, sondern auch darum, den Patienten zu zeigen, wie sie ihre Beschwerden im Alltag selbst beeinflussen können.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die eigene Wahrnehmung: Presse ich meine Zähne häufig aufeinander? Halte ich die Kaumuskulatur unnötig angespannt? Gibt es bestimmte Situationen, in denen die Beschwerden zunehmen? Auch Stress und Anspannung können Kieferbeschwerden beeinflussen. Entspannung und ein bewusster Umgang mit belastenden Situationen können deshalb ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein.

Wann ist eine Aufbissschiene sinnvoll?

Bei bestimmten Beschwerden kann eine individuell angefertigte Aufbissschiene die Behandlung sinnvoll ergänzen. Häufig kommt hierfür eine sogenannte Stabilisations- oder Michigan-Schiene zum Einsatz. Sie kann die Belastung des Kausystems verändern und insbesondere bei bestimmten Formen des Bruxismus hilfreich sein. Ob eine Schiene sinnvoll ist, welche Art von Schiene benötigt wird und wie lange sie getragen werden sollte, hängt jedoch von den individuellen Beschwerden und Befunden ab. Eine Aufbissschiene ist deshalb kein Standardrezept für jede Kiefergelenksbeschwerde.

Botulinumtoxin

Bei ausgewählten Patienten mit ausgeprägten muskulären Beschwerden kann auch eine Behandlung mit Botulinumtoxin in Betracht gezogen werden. Dabei wird die Aktivität bestimmter Kaumuskeln vorübergehend reduziert. Diese Behandlung ist jedoch keine Standardtherapie und kommt insbesondere dann infrage, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben. Sie reduziert die Muskelaktivität, beseitigt jedoch nicht automatisch die Ursachen von Zähnepressen oder Zähneknirschen. Deshalb bleiben andere sinnvolle Maßnahmen weiterhin wichtig.

Unser Ziel: Beschwerden verstehen und gezielt behandeln

Kiefergelenksbeschwerden sind individuell. Deshalb steht für uns eine sorgfältige Untersuchung und eine verständliche Erklärung der Befunde im Vordergrund.

Nicht jedes Knacken muss behandelt werden. Nicht jeder Patient benötigt eine Aufbissschiene. Und nicht jede Therapie ist für jeden Menschen gleichermaßen geeignet. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, welche Faktoren Ihre Beschwerden beeinflussen und welche Behandlung in Ihrer persönlichen Situation sinnvoll ist.

Wenn Sie Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks oder der Kaumuskulatur, wiederkehrende Verspannungen, eine eingeschränkte Mundöffnung oder andere Beschwerden beim Kauen bemerken, sprechen Sie uns gerne an.

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