Unterstützende Parodontitistherapie (Parodontitisnachsorge)

Es ist allgemein bekannt, dass mit einer guten Mundhygiene Erkrankungen der Zähne zu einem großen Anteil vermieden werden können. Allerdings trifft das häufig zitierte Sprichwort "ein sauberer Zahn wird nicht krank" aus heutiger Sicht nicht mehr zu.

Neuere Studienergebnisse der letzten 5-10 Jahre in der Parodontologie zeigen, dass sich auch trotz guter Mundhygiene die Entstehung einer Parodontitis nicht immer vermeiden lässt. Der Grund darin liegt, dass sich Menschen in ihrer Immunabwehr gegen die Parodontitis verursachenden Bakterien erheblich unterscheiden. Dabei spielen neben äußeren Einflüssen (Rauchen, Stress, u.ä.) viele systemische (d.h. allgemeingesundheitliche) Aspekte eine wichtige Rolle. Noch immer kennen wir nicht alle Faktoren. Wir wissen jedoch, dass es eine Gruppe von Patienten gibt, die auf die ursächlichen Parodontitiskeime überschießend reagieren und deren eigene Mundhygiene diese Prozesse - wenn überhaupt - nur zu einem kleinen Teil beeinflussen kann, während bei anderen Patienten selbst die schlechteste Mundhygiene nicht dazu führt, dass die Bakterien eine Parodontitis auslösen.

Mit anderen Worten: Eine Parodontitis entsteht nicht aus einer schlechten Mundhygiene. Die Dinge sind viel komplexer und von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Diese Ansichten etablieren sich im Moment zunehmend in der Parodontologie. Das ist auch sinnvoll, denn damit gehen wir weg von einer Behandlung nach dem "Gießkannenprinzip" und hin zu einer ursachenorientierten Therapie, die das Risikospektrum des Patienten berücksichtigt.

Wenn auch eine sorgfältige Mundhygiene mit einer guten Reinigung der Zahnzwischenräume nach wie vor eine wichtige Voraussetzung für die Etablierung plaque-armer und damit "weniger angreifbarer" Beläge darstellt, müssen jedoch zur wirklichen Vermeidung von Entzündungen die sehr komplex organisierten Krankheitserreger (Biofilme) auf der Wurzeloberfläche nachhaltig entfernt werden. Dies bedeutet, dass bei "anfälligen" Patienten oder solchen, die bereits eine Parodontitis hatten, weniger die eigene Mundhygiene als vielmehr die regelmäßige Zerstörung des bakteriellen Biofilms die Gesundheit des Zahnfleisches sichern wird. Diese Biofilmzerstörung erfolgt mittels professioneller Wurzeloberflächenreinigung in den parodontalen Resttaschen. Dazu wenden wir mittlerweile sehr atraumatische Verfahren an, welche die Wurzeloberfläche nicht schädigen, die Keime allerdings entfernen. Neuere Pulverstrahlgeräte (Airflow) mit nichtabrasiven Pulvern sind ein Beispiel für diese Tendenz.

Aus den genannten Gründen werden im ersten Jahr nach einer Parodontalbehandlung in aller Regel Nachsorgetermine (Recall) im Abstand von 3 Monaten durchgeführt, um Neuinfektionen der behandelten Zähne zu vermeiden. Diese unterstützende Parodontaltherapie ist mindestens genauso bedeutsam wie die eigentliche Parodontaltherapie. Der Erfolg wird damit gesichert, d.h. entzündungsfreie parodontale Verhältnisse können weitestgehend aufrecht erhalten bleiben. In den Folgejahren können die Recall-Abstände schrittweise vergrößert werden, sofern eine stabile Situation bestehen bleibt. Jedoch sollte ein Abstand von 6 Monaten nicht überschritten werden. Die Recall-Abstände können aber mitunter auch wieder verkürzt werden, sofern Tendenzen zur Neuinfektion auftauchen.

Die unterstützende Parodontaltherapie ist somit der Schlüssel zum Erfolg einer Zahnfleischbehandlung. Insbesondere bei Patienten mit ehemaliger Parodontitis kann die Prognose zuvor unsicherer Zähne langfristig gesichert werden.